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BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Grüne Helmstedt

Diskussion mit Sven Giegold zum Thema: Energiewende vor Ort

Am 16. März war Sven Giegold, stellvertretender Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, zu Gast beim Kreisverband Helmstedt. Gemeinsam mit Stefanie Mertz (Landwind-Gruppe), Matthias Wantia (Avacon) und Ansgar Morawe (Solvis) ging es um die zentrale Frage: Wie gelingt die Energiewende unter realen Bedingungen vor Ort? Moderiert wurde die Diskussion von Fabian Degen.

Giegold setzte zu Beginn bewusst einen anderen Ton als die aktuelle politische Debatte. Seine Botschaft: Die Energiewende kommt voran – und zwar schneller, als oft behauptet wird.

Anhand aktueller Zahlen zeigte er, dass der Ausbau von Solarenergie in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt hat und Genehmigungen für Windkraftanlagen sowie Übertragungsnetze massiv beschleunigt wurden. Deutschland habe beim Ausbau wieder Tempo aufgenommen und liege in zentralen Bereichen inzwischen deutlich vor den Vorjahren.

Gleichzeitig machte er klar, dass dieser Fortschritt neue Aufgaben nach sich zieht: Kosten senken, Netze modernisieren, Elektrifizierung beschleunigen. Entscheidend sei jetzt, den eingeschlagenen Kurs nicht wieder infrage zu stellen. Denn jede politische Unsicherheit wirke direkt auf Investitionen und Planung vor Ort.

Ein weiterer Punkt seines Inputs: Der Umbau des Energiesystems ist längst in vollem Gange – global wie national. Die Verschiebungen in der Stromproduktion zeigen klar, dass sich die Gewichte verändern. Für Deutschland bedeutet das: Wer jetzt bremst, fällt zurück.

Vor diesem Hintergrund richtete sich Giegolds Kritik auch an die aktuelle Bundespolitik. Statt den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen, entstünden neue Unsicherheiten – etwa beim Netzausbau und bei regulatorischen Fragen. Das gefährde Tempo und Vertrauen gleichermaßen.

In der anschließenden Diskussion wurde dann sehr konkret, wo die Energiewende vor Ort ins Stocken gerät. Bürgermeister Wittich Schobert machte deutlich, dass Kommunen zwar die Verantwortung für die Umsetzung tragen, aber oft nicht die nötige Steuerungshoheit haben. Ein Beispiel ist die Ausweisung von Flächen für Solarparks, die maßgeblich auf Ebene des Regionalverbands Braunschweig erfolgt.

Noch konkreter wird es bei der Wärmewende. Städte und Gemeinden arbeiten derzeit an Strategien für die zukünftige Wärmeversorgung – müssen diese aber unter Bedingungen entwickeln, die kaum belastbar sind. In vielen Gebieten ist unklar, ob künftig überhaupt noch genügend Haushalte an zentrale Lösungen wie Fernwärme angeschlossen werden wollen oder ob sich viele individuell, etwa mit Wärmepumpen, versorgen. Kommunale Planung wird damit zur Wette auf eine unklare Entwicklung.

Parallel dazu verschärft sich ein Problem, das bislang politisch nicht geklärt ist: die Zukunft der Gasnetze. Mit jedem Haushalt, der aussteigt, verteilen sich die Fixkosten auf immer weniger Nutzer. Die zentrale Frage bleibt offen: Wer trägt die Kosten eines Systems, das politisch gewollt zurückgebaut wird?

Ein weiterer Engpass liegt in der Steuerung der Stromnetze. Hier fehlt es weniger an Ausbau als an intelligenter Nutzung. Deutschland liegt beim Einsatz sogenannter Smart Meter deutlich hinter anderen europäischen Ländern zurück. Während dort Netze digital gesteuert und flexibel genutzt werden können, fehlt hier oft die Grundlage, um Lasten effizient zu verteilen und Kosten zu senken.

 

Was jetzt passieren muss

Die Wärmewende braucht realistische und belastbare Grundlagen

Netze müssen intelligent gesteuert und digitalisiert werden

Und vor allem: Verlässlichkeit statt politischer Richtungswechsel

 

Die Energiewende wird vor Ort umgesetzt. Aber sie braucht eine Politik, die das ermöglicht – und nicht verunsichert.

 

Energiewende heißt: umsetzen statt abwürgen.



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